Winnenden: Trauer um Tote - Brief der Familien

JuliaBorn | 23 März, 2009 01:00

In einer gemeinsamen Trauerfeier in Winnenden nahmen die Angehörigen Abschied von den 16 Opfern des Amoklaufs am 11. März. "Wir wollen, dass sich etwas ändert in dieser Gesellschaft", erklären die Familien von fünf getöteten Schülerinnen in einem offenen Brief. Sie fordern Beschränkungen beim Zugang von Jugendlichen zu Waffen, für Gewalt in Fernsehen und Computerspielen.

Hintergründe und Reaktionen

23.03.2009

  • Winnender Zeitung:
    Offener Brief von Familien von getöteten Schülerinnen

    Einschränkungen beim Zugang zu Waffen, weniger Gewalt im Fernsehen, Verbot von Killerspielen, so zentrale Forderungen im offenen Brief der Familien von fünf getöteten Schülerinnen.
    "Wir wollen, dass sich etwas ändert in dieser Gesellschaft, und wir wollen mithelfen, damit es kein zweites Winnenden mehr geben kann."
    Der ganze Brief an Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Günther Oettinger: mehr 
  • FAZ: Trauerfeier für die Opfer von Winnenden
    250 der unmittelbaren Angehörigen der Opfer sowie die Klassenstufen 9 und 10 der Albertville-Realschule nahmen am Trauergottesdienst teil, ebenso Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). "Nach den Eingangsgebeten trugen Freunde brennende weiße Kerzen für jedes einzelne der Opfer nach vorn an den Altar." - mehr
  • rpi-Wiki: Notfallseelsorge und Trauerarbeit
    Wie lässt sich mit solchen Ereignissen umgehen? Was kann man in einer Schulklasse machen?
    Materialien und Hinweise im rpi-Wiki - mehr

14.03.2009

  • Spiegel: "Schule war absolut spitze"
    "Es gibt Streitschlichter, eine Sozialarbeiterin und eine engagierte Direktorin: Die Albertville-Realschule galt als vorbildliches Institut, trotzdem blieben Tim Ks. Probleme dort unentdeckt." - mehr
  • Nürnberger Nachrichten: "Risikomerkmale bei allen Amokläufern"
    "Bei allen sieben Amokläufen in Deutschland zwischen 1999 und 2006 hat es bei den Tätern deutliche Risikomerkmale gegeben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Technischen Universität Darmstadt (TU), die im April ... veröffentlicht wird." - mehr
  • T-Online: Trittbrettfahrer halten Polizei in Atem
    "Der Kriminalpsychologe und Profiler Adolf Gallwitz von der Fachhochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen sagte t-online.de, viele Schüler sähen in solchen Taten eine Möglichkeit zur Rache am Schulbetrieb. Andere versuchten damit ein 'besonderes Geltungsbedürfnis' zu befriedigen."
    Verschiedenen Orts gab es bereits Festnahmen.
    "Gallwitz warnte, bei Polizeieinsätzen nach Amokdrohungen könnten leicht fünf- bis sechsstellige Kosten zusammenkommen. Dazu kämen Anzeigen wegen Störung der öffentlichen Ordnung und Morddrohung." - mehr
11.03.2009
  • Deutschlandfunk: "Seit Erfurt haben wir eine Flut von Nachahmern"
    "Der Kriminalpsychologe Jens Hoffmann von der Technischen Universität Darmstadt fordert nach dem Amoklauf von Winnenden Krisenteams an Schulen. Seit dem Amoklauf von Erfurt 2002 gebe es eine Flut von Nachahmern, alle Amoklaufversuche hätten hierbei erkennbare Warnsignale." - mehr
  • Bild des Monats März 2009: Sein Kreuz (er)tragen - und jetzt?!
    Fotoserie mit Jugendlichen aus zwei Hauptschulen in Essen
    Die Bilder machen betroffen. Zur Diskussion im rpi-Forum: mehr
  • WDR: Deutschland europäisches Schlusslicht bei schulpsychologischer Betreuung
    Nach einer Studie des Berufsverbandes Deutscher Psychologen (BDP) ist in Deutschland ein Schulpsychologe im Durchschnitt für über 16.500 Schüler zuständig. "Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt eine Obergrenze von 2500 Schülern, für die ein Schulpsychologe bereit stehen sollte." - mehr
  • Spiegel: Schutz vor Amoklauf in Schulen, Waffenrecht
    - "Wie schützt man Schüler und Lehrer vor Amokläufern wie dem 17-jährigen Tim K.? 'Die Konzepte sind da, wir können sofort loslegen', sagen Experten, doch das Geld zur Umsetzung fehlt. In Schulen werde zudem auf Selektion und Konkurrenz gesetzt - ein Nährboden für Mobbing und Extremtäter." - mehr
    - "Nach dem Amoklauf von Winnenden diskutieren Politiker eine erneute Verschärfung des Waffenrechts. Lobbyisten wehren sich, die Polizeigewerkschaft hält schon das gegenwärtige Gesetz für 'so was von dicht'." - mehr

Amoklauf an der Realschule in Winnenden (11.03.09)

  • Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Der Tod hat Einzug gehalten"
    "Die Schulleiterin habe den Schüler, der im vergangenen Jahr die Realschule mit einem Abschluss verlassen und eine Ausbildung begonnen habe, als völlig unauffällig beschrieben."- mehr
  • Stern: "Tim K. erschoss sich selbst"
    "Nach Angaben der Polizei hatte Tim K. um 9.30 Uhr in schwarzer Militärkleidung seine ehemalige Schule Schule in Winnenden betreten und während des Unterrichts wild um sich geschossen. Nachdem der 17-Jährige zehn Schüler und drei Lehrer getötet hatte, flüchtete er zu Fuß" - mehr

Amoklauf in Alabama (10.03.09)

Vor der Tat in Winnenden war es in den USA zu einem Amoklauf gekommen. Nach Ansicht von Experten kann es sein, dass diese Tat den letzten Auslöser gegeben hat, wahrscheinlich war es jedoch eher Zufall. Solche Taten sind in der Regel lang vorher geplant (Kriminalpsychologe Jens Hoffmann im Interview mit dem Deutschlandfunk - mehr).

  • Süddeutsche Zeitung: Amoklauf in den USA - Familientragödie
    "Es traf Verwandte und völlig Fremde: Der Amoklauf von Michael McLendon schockt Alabama. Auf dem Gelände seiner ehemaligen Arbeitsstelle erschoss sich der Täter selbst." mehr
  • Tagesschau:
    US-Bundesstaat Alabama - Mindestens zehn Tote bei Amoklauf

    "Ein Mann hat im US-Bundesstaat Alabama mindestens neun Menschen und sich selbst erschossen. Der mutmaßliche Täter lieferte sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Sein Amoklauf endete schließlich in einer Fabrik, in der er gearbeitet haben soll." Grund war möglicherweise der Verlust seines Arbeitsplatzes. - mehr

Kommentare

Re: Winnenden: Trauer um Tote - Brief der Familien

lars | 27/03/2009, 14:59

Natürlich brauchen Jungs Computerspiele.

ABER: nur die doofen Jungs kaufen sich welche.

Die intelligenten Jungs erfinden sich die Computerspiele nämlich gleich selber (ohne digitale Unstimmigkeiten wie Pixel, schlecht gemachte Lichtverhältnisse, Zuckeln, etc).

In meinem Kopf habe ich zum Beispiel eine hyperreale Voll-Simulation der gesamten Geschichte der Menschheit (inkl. alle Kunstwerke), vier Flugsimulatoren, drei ego-shooter und vier Rollenspiele.

Da wird mir auch im Zug nie langweilig... (ich habe auch weder Handy noch X-Box noch Fernsehen - brauche ich ja nicht; mein Kopf liefert mir ja alles frei Haus).

"im DLF sogar ohne Hintergrundinfos" / Leid und Sinn

ThomasNolte | 12/03/2009, 22:20

Dem Stern lässt man es durchgehen, dass er schlecht recherchiert oder zumindest voreilig von der Tötung des Täters durch die Polizei schreibt (inzwischen durch den Stern selbst korrigiert) und dem Deutschlandfunk, der bekannt ist für seine Hintergrund-Sendungen und für professionellen Journalismus, wirft man fehlende Hintergrundinformationen vor? Selektives Zuhören?

Ansonsten stimme ich C.S. Schierbaum zu, dass jetzt wieder viele voreilige Besserwisser und Schuldzuwerfer Konjunktur haben. Amokläufe lassen sich kaum verhindern, weil sich die psychisch kranken Täter wie Terroristen an keinerlei Regeln halten.

Wir werden das Leid des Alltags auch mit noch so vielen gut gemeinten Konzepten und Gesetzen, Psychotherapeuten und Notfallseelsorgern nicht abschaffen können. Auf manche menschlichen Fragen gibt es eben keine Antwort, weil wir Menschen immer nur einen Ausschnitt der Welt und ihrer Geschichte betrachten können.

Hoffnungsfroh stimmen in aller Trauer und Fassungslosigkeit, die auch Gebete in Schweigen und Stille nahelegen, die zahllosen Zeichen von Solidarität.
Auf Karfreitag folgt immer Ostern!

Jens Hoffamnn und ander Psychologen

C. S. Schierbaum | 12/03/2009, 21:44

Mich stimmt es traurig, wenn nach so einer Katastrophe sofort und im DLF sogar ohne Hintergrundinfos, dafür fast sofort nach der Tat die Schuldfrage gestellt wird bzw. uns Lehrer dafür verantwortlich gemacht werden, dass wir sowas nicht verhindern könnten.
Nach meinen Informationen war der Täter in psychologischer Betreuung wegen seiner Depressionen und offensichtlich konnte der Therapeut nicht erkennen, dass dieser junge Mann suizid- und allgemeingefährlich war und an Waffen herankommen konnte. Wie sollten Lehrer diese Problematik erkennen, wo die dafür geschulten Fachleute es wohl auch nicht konnten, zumindest in diesem Fall. Mir geht es aber auch nicht darum, diesem oder anderen Therapeuten etwas vorzuwerfen. Wir müssen erkennen, dass trotz allem Bemühen von Seiten der Lehrer, Therapeuten und sicher auch Eltern solche Ereignisse möglich sind und nicht verhindert werden können.
Wie könnte eine Verbesserung der Lage insgesamt aussehen? Nach Monitor-Recherchen sei jeder 5. Schüler in einer besonderen Notlage, die professioneller Hilfe bedarf. Auch wenn mir diese Zahl zu hoch erscheint, so könnte die Situation massiv verbessert werden, wenn Eltern wie Lehrer mehr Zeit für ihre Kinder sich nehmen könnten. Da ist insbesondere die Bildungspolitik, aber genau so die Politik insgesamt gefragt wie die Gesellschaft und Wirtschaft auch.

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