Bestimmte Lerninhalte scheinen uns völlig selbstverständlich. Doch Lernende müssen sich bewusst sein, warum sie das lernen sollen und wozu es gut ist. Gemeinsam erstellte Raster helfen dabei, den Wert einer Aufgabe zu erkennen und zu einer korrekten
Selbsteinschätzung zu gelangen. Im Portfolio werden Bemühungen, Fortschritte und Leistungen sorgfältig dokumentiert.
1. Was haben wir gelernt?
2. Kompetenzraster für Selbsteinschätzung und Bewertung
3. Portfolio dokumentiert Bemühungen, Fortschritte und Leistungen
1. Was haben wir gelernt?
Die Kartoffelwerkstatt
Meine Freundin Gita hat mich eingeladen die Kartoffelwerkstatt ihrer 3. Klasse zu besuchen.
Es gibt 12 verschiedene Aufgaben mit schriftlichen Arbeitsanleitungen: Die Kinder arbeiten einzeln, in Paaren und in kleinen Gruppen an den unterschiedlichsten Arbeitsaufträgen, die eine Vielfalt von Talenten und Fertigkeiten erfordern.
Da werden Rezepte erfunden und ausprobiert, ein Theaterstück über die Einführung der Kartoffel in Europa wird geschrieben und eingeübt, einige Kinder dokumentieren das Wachstum der Kartoffelpflanzen in einem Terrarium. In einer Ecke machen die Kinder "Kartoffelmusik" und schreiben dazu ein Lied. Alle sind beschäftigt, alle sind interessiert. Ein Mädchen ordnet verschiedene Kartoffelsorten auf einem Tablett und schreibt die Namen dazu.
Ich frage sie, was sie dabei lernt. Sie schaut mich groß an. "Das ist der Arbeitsauftrag", sagt sie. In einer Pause gehe ich zu den Theaterspielern. "Was lernt ihr dabei?" "Wir machen ein Theaterstück. Was soll man dabei lernen?"
"Was soll man dabei lernen?"
In der Pause erzähle ich Gita meine Erfahrungen. Die Kinder verstehen die Aufgaben, wissen aber nicht, was sie dabei lernen. Wie sollen sie dann das Gelernte in neuen Kontexten anwenden können, wenn sie gar nicht wissen, was es ist? Bei dieser Werkstatt fehlen offensichtlich die Lernziele.
2. Kompetenzraster für Selbsteinschätzung und Bewertung
In der nächsten Woche ruft mich Gita an: "Ich habe den Kindern erzählt, was du gesagt hast, und gemeinsam haben wir uns Gedanken gemacht, was wir alles bei der Kartoffelwerkstatt lernen können.
Hier schicke ich dir unser Raster. Ich finde es sind zu viele Lernziele, aber die Kinder wollten dir zeigen, was sie alles lernen können. Die Ideen sind alle von ihnen, nur die Formulierung ist manchmal von mir."
Arbeiten mit dem Kompetenzraster
"Jedes Kind hat jetzt so ein Raster und füllt es aus. Die Belege für ihr Können stellen sie ins Portfolio.
Dabei gehen sie recht kreativ vor. Weil wir nicht für jedes Kind in der Musikgruppe eine CD gebrannt haben, haben sie sich ein Zertifikat ausgedacht, das ich unterschreiben musste. Darauf stehen die Namen der Gruppenmitglieder, der Titel des Liedes, eine kurze Beschreibung der Instrumentierung und ein Foto der Gruppe mit ihren Instrumenten.
Ich habe mir auch ein Raster gemacht mit allen Kindern und allen Lernzielen und führe Buch. Bei den Portfoliogesprächen, lasse ich mir die Belege zeigen und die Einträge in ihren Rastern. Die Bewertungen übertrage ich dann in mein Raster.
In fast allen Fällen stimmt meine Bewertung mit der Bewertung der Schüler/innen überein. Nur eine Schülerin bewertet sich fast immer schlechter als ich und zwei Schüler denken, dass sie alles schon gut können, haben aber nur wenige Belege. Daran muss ich noch arbeiten."
Das abgedruckt Raster ist das Klassenprodukt.

Zum Lesen bitte auf die Abbildung klicken, dann kann es als PDF-Datei heruntergeladen werden!
- Kompetenzraster in der Schule
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3. Portfolio dokumentiert Bemühungen, Fortschritte und Leistungen
Nach einer der gängigsten Definition eines Portfolios, ist es "eine zweck- und zielgerichtete Auswahl eigener Arbeiten einer Schülerin, eines Schülers, in welcher die Bemühungen, Fortschritte und Leistungen in einem oder mehreren Bereichen dargestellt und reflektiert werden". (1)
Die Lernenden müssen also nicht nur verstehen, was sie tun sollen, sondern sich auch bewusst sein, WOZU das gut ist - also was sie dadurch gelernt haben. Die Lernziele und die Bewertung der Lernziele sollten dabei Hand in Hand gehen.
Es ist unsere Aufgabe als Lehrpersonen den Schüler/innen die Selbstbewertung ihrer "Bemühungen, Fortschritte und Leistungen" zu ermöglichen. Gemeinsam mit den Kindern erstellte Raster sind ein ausgezeichneter Weg die Lernenden anzuleiten zu einer korrekten Selbsteinschätzung zu gelangen.
- Globalisierung:
Was brauchen unsere Kinder für die Zukunft? - mehr
- Portfolios benoten:
Drei Schritte zu einer konstruktiven Bewertungspraxis - mehr
Literatur:
(1) Paulson F.L., Paulson P.R., Meyer C.A. (1991) What makes a Portfolio a Portfolio? Eight thoughtful guidelines will help educators encourage self-directed learning. In: Educational Leadership 48/1991, issue 5, pp. 60-63.
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