Taufe - ganz schön (stressig)

ReinerAndreasNeuschaefer | 11 Juni, 2010 17:28

Die Taufe ist ein schöner Hinweis darauf, dass wir im Leben getragen und geborgen sind. Hier einige Einsichten:


 

Sich mit dem Himmel beschenken lassen

Der Taufe auf der Spur

 

 

Die Taufe ist schön

Die Taufe an dem Baby war soeben vollzogen, da zog mein dreijähriger Sohn durch das Kirchenschiff nach vorne. Er stellte sich neben mich ans Taufbecken und reckte den Daumen nach oben nach dem Motto „prima“, „gut-gemacht!“ oder „schön!“. Ein Schmunzeln ging durch das Kirchenschiff. „Taufe ist schön!“ hatte ich zuvor in der Taufansprache betont, und eben nicht: eine Taufe ist „ganz schön stressig“, wie das manche Familie erlebt. Wenn jemand getauft wird, ist das erst mal schön – für die Familie, Gemeinde und Kirche. Denn die Taufe ist ein schönes Signal, dass da jemand mich mit seinem JA beschenkt und man zur Gemeinschaft der Christen gehört. Dass da jemand ohne Wenn und Aber zugeneigt ist. Allerdings ist dieses Ja Gottes zum Menschen und das Ja zur Taufe keine Selbstverständlichkeit. Es ist immer wieder in Erinnerung zu rufen.

 

Taufe ist eine Erfindung Gottes

Die Taufe ist eine Erfindung Gottes, ein Sakrament, das er sich selbst ausgedacht hat. Sie ist eine einmalige Sache und gilt für das ganze Leben. Am besten erfährt man dies von Anfang an. Denn auch die Kindheit ist keineswegs eine Lebenszeit leidensfreien Genießens. Kinder haben echte Sorgen und Ängste – selbst wenn sie aus der Erwachsenenperspektive klein aussehen mögen. Kinder sind verletzbar. Sie können sich nicht so einfach gegen Widrigkeiten zur Wehr setzen. Sie haben wenig Mittel, sich gegen Demütigungen zu schützen. Sie sind in vielerlei Hinsicht ausgeliefert – die Berichte über Missbrauch in den letzten Monaten lassen das leider gut erahnen.

Es ist tragisch, sein Leben auf Kosten der Kinder zu führen. Es ist ein Drama. Doch fängt dies nicht erst an, wenn jemand Hand anlegt oder die Seele nicht achtet.

 

Kinder achten – auf Kinder achten

Es bedeutet, auf Kosten von Kindern zu leben, wenn wir sie dazu drängen, unseren eigenen Traum zu leben; wenn wir die Erde mit ihren Schätzen zugrunde richten und die nachfolgenden Generationen ein „sinkendes Schiff Erde“ vorfinden. Oder wenn wir meinen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf habe nur etwas mit der Anzahl von Krippenplätzen zu tun – als wenn es nicht schon für unsere Eltern und Großeltern eine Herausforderung gewesen war, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen … Wahre Kinderfreundlichkeit hat mit Zeit und Zuneigung zu tun!

 

Willkommen sein!

Die Bibel warnt jedoch nicht nur vor Fehlverhalten. Sie erzählt auch von geglückter und glücklicher Kindheit. Ein ganz wesentlicher Punkt dafür ist die Kunst, Kinder wirklich willkommen zu heißen. Wenn sie Grund zur Freude und Dankbarkeit sind; wenn ihnen mit einer Haltung der Offenheit begegnet wird:„Ich freue mich auf das, was sich durch dein Kommen verändern wird“. Ich kann dem Kind Unterstützung zuflüstern: „Ich will dich in der Entdeckung des Lebens begleiten, Deinen Weg mitgehen.“ Natürlich: eine glückliche Kindheit kann nicht hergestellt werden wie ein Produkt in einer Fabrik oder wie ein Dispo-Kredit bei einer Bank … Aber es kann gefördert werden durch gute Worte wie die, die als Taufsprüche aus dem Wort Gottes zugesprochen werden, und die man sich eben nicht selber zusprechen kann. So ist es eine schöne Idee, wenn Eltern oder Paten nicht nur eine Taufkerze gestalten, sondern auch zum Taufspruch ein Bild für das Kinderzimmer malen, das dem Kind dieses Bibelwort vor Augen malt.

 

Getragen sein!

Die Taufe an sich ist schon ein Signal, dass mein Leben nicht in meiner eigenen Hand liegt. Und wo man bereits als Baby zum Taufstein getragen wird, trägt dies zu dieser Grundhaltung bei: andere haben mich (er)tragen, andere müssen mir als Paten und Eltern von der Taufe und vom Glauben erzählen, andere sind in guten Gedanken und Gebeten bei mir – selbst wenn ich davon nichts mitbekomme oder ahne. Eltern sollten sich ruhig trauen, mit ihren Kindern zu beten oder sie zu segnen, indem sie zum Beispiel die rechte Hand auf die Stirn des Kindes legen und sagen: „Gott, der Herr, segnet Dich und hat Dich lieb!“.

 

Geborgen in der Gemeinde

Eine Erziehung im Glauben ist jedoch nicht nur Sache des Elternhauses oder der Paten. Daher sollte schon im Gottesdienst neben Eltern und Paten auch die Gemeinde darauf verpflichtet werden, für das Kind zu beten, es im christlichen Glauben zu erziehen und an die Taufe zu erinnern. Taufkerze, Taufsprüche, Tauflieder, Tauftagfeier und Tauftexte, aber auch ein Tauffest der Kirchengemeinde weisen immer wieder auf das Geschenk der Taufe hin. Sie lassen über Christenlehre und Religionsunterricht hnaus ahnen, dass einem mit der Taufe der Himmel geschenkt wurde.

Gelesen und gehört!
Ev. Kirche in Mitteldeutschland (Hg.): Ein Stück vom Himmel. Wege zur Taufe – Wege mit der Taufe. Weimar: Wartburg Verlag 2007

Werner Tiki Küstenmacher: Tikis Evangelisch-Katholisch-Buch. Zusammen sind wir unschlagbar, Stuttgart 2009

Rainer Oberthür/Hildegard Meier: Die Bibel für Kinder und alle im Haus. Hörbuch, München: Kösel 2010

Irmgard Weth: Neukirchener Vorlese-Bibel. Mit Bildern von Kees de Kort, Neukirchen-Vluyn 2008

 

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