Die Taufe ist ein schöner Hinweis darauf, dass wir im Leben getragen und geborgen sind. Hier einige Einsichten:
Sich mit dem Himmel
beschenken lassen
Der Taufe auf der Spur
Die Taufe ist schön
Die Taufe an dem Baby war soeben
vollzogen, da zog mein dreijähriger Sohn durch das Kirchenschiff nach vorne. Er
stellte sich neben mich ans Taufbecken und reckte den Daumen nach oben nach dem
Motto „prima“, „gut-gemacht!“ oder „schön!“. Ein Schmunzeln ging durch das
Kirchenschiff. „Taufe ist schön!“ hatte ich zuvor in der Taufansprache betont,
und eben nicht: eine Taufe ist „ganz schön stressig“, wie das manche
Familie erlebt. Wenn jemand getauft wird, ist das erst mal schön – für die
Familie, Gemeinde und Kirche. Denn die Taufe ist ein schönes Signal, dass da
jemand mich mit seinem JA beschenkt und man zur Gemeinschaft der Christen
gehört. Dass da jemand ohne Wenn und Aber zugeneigt ist. Allerdings ist dieses
Ja Gottes zum Menschen und das Ja zur Taufe keine Selbstverständlichkeit. Es
ist immer wieder in Erinnerung zu rufen.
Taufe ist eine Erfindung Gottes
Die Taufe ist eine Erfindung Gottes,
ein Sakrament, das er sich selbst ausgedacht hat. Sie ist eine einmalige Sache
und gilt für das ganze Leben. Am besten erfährt man dies von Anfang an. Denn
auch die Kindheit ist keineswegs eine Lebenszeit leidensfreien Genießens.
Kinder haben echte Sorgen und Ängste – selbst wenn sie aus der
Erwachsenenperspektive klein aussehen mögen. Kinder sind verletzbar. Sie können
sich nicht so einfach gegen Widrigkeiten zur Wehr setzen. Sie haben wenig
Mittel, sich gegen Demütigungen zu schützen. Sie sind in vielerlei Hinsicht
ausgeliefert – die Berichte über Missbrauch in den letzten Monaten lassen das
leider gut erahnen.
Es ist tragisch, sein Leben auf Kosten
der Kinder zu führen. Es ist ein Drama. Doch fängt dies nicht erst an, wenn
jemand Hand anlegt oder die Seele nicht achtet.
Kinder achten – auf Kinder achten
Es bedeutet, auf Kosten von Kindern zu
leben, wenn wir sie dazu drängen, unseren eigenen Traum zu leben; wenn wir die
Erde mit ihren Schätzen zugrunde richten und die nachfolgenden Generationen ein
„sinkendes Schiff Erde“ vorfinden. Oder wenn wir meinen, die Vereinbarkeit von
Familie und Beruf habe nur etwas mit der Anzahl von Krippenplätzen zu tun – als
wenn es nicht schon für unsere Eltern und Großeltern eine Herausforderung
gewesen war, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen … Wahre
Kinderfreundlichkeit hat mit Zeit und Zuneigung zu tun!
Willkommen sein!
Die Bibel warnt jedoch nicht nur vor
Fehlverhalten. Sie erzählt auch von geglückter und glücklicher Kindheit. Ein
ganz wesentlicher Punkt dafür ist die Kunst, Kinder wirklich willkommen zu
heißen. Wenn sie Grund zur Freude und Dankbarkeit sind; wenn ihnen mit einer
Haltung der Offenheit begegnet wird:„Ich freue mich auf das, was sich durch
dein Kommen verändern wird“. Ich kann dem Kind Unterstützung zuflüstern: „Ich
will dich in der Entdeckung des Lebens begleiten, Deinen Weg mitgehen.“
Natürlich: eine glückliche Kindheit kann nicht hergestellt werden wie ein
Produkt in einer Fabrik oder wie ein Dispo-Kredit bei einer Bank … Aber es kann
gefördert werden durch gute Worte wie die, die als Taufsprüche aus dem Wort
Gottes zugesprochen werden, und die man sich eben nicht selber zusprechen kann.
So ist es eine schöne Idee, wenn Eltern oder Paten nicht nur eine Taufkerze
gestalten, sondern auch zum Taufspruch ein Bild für das Kinderzimmer malen, das
dem Kind dieses Bibelwort vor Augen malt.
Getragen sein!
Die Taufe an sich ist schon ein Signal,
dass mein Leben nicht in meiner eigenen Hand liegt. Und wo man bereits als Baby
zum Taufstein getragen wird, trägt dies zu dieser Grundhaltung bei: andere haben
mich (er)tragen, andere müssen mir als Paten und Eltern von der Taufe und vom
Glauben erzählen, andere sind in guten Gedanken und Gebeten bei mir – selbst
wenn ich davon nichts mitbekomme oder ahne. Eltern sollten sich ruhig trauen,
mit ihren Kindern zu beten oder sie zu segnen, indem sie zum Beispiel die
rechte Hand auf die Stirn des Kindes legen und sagen: „Gott, der Herr, segnet
Dich und hat Dich lieb!“.
Geborgen in der Gemeinde
Eine Erziehung im Glauben ist jedoch
nicht nur Sache des Elternhauses oder der Paten. Daher sollte schon im
Gottesdienst neben Eltern und Paten auch die Gemeinde darauf verpflichtet
werden, für das Kind zu beten, es im christlichen Glauben zu erziehen und an
die Taufe zu erinnern. Taufkerze, Taufsprüche, Tauflieder, Tauftagfeier und
Tauftexte, aber auch ein Tauffest der Kirchengemeinde weisen immer wieder auf
das Geschenk der Taufe hin. Sie lassen über Christenlehre und
Religionsunterricht hnaus ahnen, dass einem mit der Taufe der Himmel geschenkt
wurde.
Gelesen
und gehört!
Ev. Kirche in Mitteldeutschland (Hg.):
Ein Stück vom Himmel. Wege zur Taufe – Wege mit der Taufe. Weimar: Wartburg Verlag
2007
Werner Tiki Küstenmacher:
Tikis Evangelisch-Katholisch-Buch. Zusammen sind wir unschlagbar, Stuttgart
2009
Rainer Oberthür/Hildegard Meier:
Die Bibel für Kinder und alle im Haus. Hörbuch, München: Kösel 2010
Irmgard Weth:
Neukirchener Vorlese-Bibel. Mit Bildern von Kees de Kort, Neukirchen-Vluyn 2008