Eine Studie des Leibniz-Instituts für Länderkunde ergab, dass 57 % der Kinder in Ostdeutschland unehelich geboren werden, während die Quote im Westen nur bei 25 % liegt und in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs sogar nur bei 15 Prozent.
Damit gehören eheliche Kinder im Osten Deutschlands mittlerweile zu einer Minderheit. Das heißt auch, dass die Mehrheit der folgenden Generation ohne Eltern aufwachsen wird, die sich als Eheleute darum bemühen, Werte zu leben, die füreinander Dauer und für die gemeinsamen Kinder Verantwortung meinen: Nur Du, ich ganz, für immer!
Natürlich werden sich in vielen Fällen auch außereheliche Lebensgemeinschaften so verstehen. Das kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Ehe ein deutliches öffentliches Bekenntnis ist. Die Ehe ist eine öffentlich abgesegnete Demonstration dessen, wie man im Privaten seinen Weg tatsächlich ein Leben lang gehen möchte. Solche Erfahrungen werden vielen jungen Menschen fehlen. Zu vielen? Die Krise der Ehe ist letztlich auch ein Hinweis auf eine Krise der Gesellschaft.
Allerdings ist die immer größer werdende Zahl unehelicher Kinder gerade in Ostdeutschland auch eine Folge der Gesellschaft im Stadium fortgeschrittener Kirchenferne. Für viele ist gerade in Ostdeutschland im wahrsten Sinne des Wortes kaum zu glauben, dass Ehe nach römisch-katholischem Verständnis sogar ein Sakrament sein soll. Die lateinische Wurzel des Wortes "sacer" bedeutet "unverletzlich".
Es macht eine Kindheit eben nicht wirklich leichter und unbeschwerter, auf einen solch sicheren und geschützten Lebensraum verzichten zu müssen.
Oder?
Jedenfalls hat die Aufforderung aus den Zehn Geboten "Du sollst/wirst nicht ehebrechen!" einen anderen Geschmack, wenn es kaum noch eine Ehe gibt. Oder lässt sich das so einfach lösen, wie manche Kinderbibeln es versuchen und nach Formulierungen suchen, die das Wort "Ehe" vermeiden?