Erntedank in der Schule?!

ReinerAndreasNeuschaefer | 30 September, 2009 17:10

Erntedank - ein Fremdwort?

Wenn ich an Erntedank in der Schule zur Sprache bringen, fallen den Schülerinnen und Schülern immer zuerst Felder, Früchte und Fragen zur Schöpfung ein. Dabei haben die wenigsten von ihnen noch direkt etwas mit Erntedank zu tun. Sie kaufen viel lieber einen Snack oder bei Mäckes als frisches Brot oder Obst. Auch das Pausenbrot hat nur noch selten diesen Namen verdient. Das "gesunde Schulfrühstück" ist nicht selten in der Hand von Nestle & Co - übrigens nicht nur bei den reicheren Schülern, sondern auch bei denen, die Adressaten der neueren Initiative für gesunderes Essen sind!

 

Veränderte Wahrnehmung

Trotzdem möchte ich mir das Erntedank-Fest nicht nehmen lassen. Es signalisert etwas davon, dass nicht alles machbar ist. Und dass Dankbarkeit damit anfängt, etwas mit gütigen Augen zu betrachten bzw. überhaupt erst einmal wahr zu nehmen.

Und das fängt eben nicht erst beim Essen und Trinken an. Das fängt mit dem Leben von Anfang an an: dass ich Geschöpf bin, dass ich mein Leben anderen verdanke, dass das Leben zu achten und zu feiern ist.

ERntedank auf dem Friedhof

Darauf mache ich meine Schülerinnen und Schüler gerne aufmerksam und gehe selber mit gutem Beispiel voran. Letztens ging ich tatsächlich voran und führte einen 11er Kurs Religion auf einen nahe gelegenen Friedhof. Dort befand sich in der Nähe ein Kindergrabmal "Sternschnuppe" mit vielen - auch religiösen - Symbolen. Und dieses "besuchten" wir schlichtweg.

Damit fing eine andere Wahrnehmung des eigenen Lebens an: dass mein Leben von Anfang an gefährdet war und im Grunde genommen noch immer ist!

Wir nahmen die Einzelheiten und das Gesamt des Kindergrabmals für ungeborene oder früh verstorbene Kinder wahr. Und wir sprachen darüber. Aber wir schwiegen auch. Und manche weinten Tränen nicht nur nach Innen ...

Ein Schüler meinte in der nächsten Stunde, dass er den ganzen Tag über noch an den Besuch gedacht hatte und ganz neu und dankbar auf sein Leben geblickt hat.

Für mich war das eine schöne Ernte meines eigenen Religionsunterrichts. Und ich werde zu Erntedank auch für eine solche Ernte im schulischen Alltag dankbar sein!

 

Kommentare

Artikel kommentieren