Wer Opfer nicht schützt, nützt und unterstützt Täter - Meinungen zu Mobbing

ReinerAndreasNeuschaefer | 25 März, 2009 21:08

 

Mobbing – der alltägliche Albtraum

Wer Opfer nicht schützt, nützt dem und unterstützt den Täter

Hier einige einseitige Gedanken zu einem vielseitigen Thema, das nicht nur in Gesellschaft und Schule, sondern auch in Kirchen, Vereinen und Gruppen eine große Rolle spielt, das aber immer wieder herunter gespielt wird ...

Was Mobbing bedeuten kann ... 

Das Wort „Mobbing“ ist in aller Munde. Und viele können es schon gar nicht mehr hören. Sie meinen: da wird etwas übertrieben, da hat etwas Altes einen neuen Namen bekommen. Doch wer so redet, spielt den Opfern übel mit. Denn Mobbing spielt sich jeden Tag tausendfach ab. Nach einer aktuellen Studie, in der Online-Netzwerke wie MySpace ausgewertet wurden, ist Mobbing noch vor sexuellen Übergriffen das Hauptproblem Nr. 1 – sowohl online als auch offline. Was Mobbing ist? Ein wiederholt unfaires und oft unbeweisbares, bewusst bösartiges Verhalten, um andere zu verletzen und zu verdrängen. Das fängt inzwischen in der Kinderkrippe an und hört am Arbeitsplatz noch lange nicht auf. Seine Hochzeit erlebt das Mobbing in der Schulzeit.

Mehr als Rangelei und Einerlei ... 

Wohlgemerkt: Mobbing hat hier nichts mit Rangeleien oder Raufereien zu tun, wie man sie aus dem „Fliegenden Klassenzimmer“ oder anderen Schulfilmen kennt, wo die Fetzen fliegen. Bei Mobbing ist eine Bösartigkeit im Spiel, die mit normalem Eingreifen, „Faustlos-Programmen“ oder Sozialtrainings alleine nicht aus der Welt zu schaffen ist. Von daher sind auch die „Selbstverteidigungskurse“, die fast flächendeckend schon in Grundschulen angeboten werden, kritisch zu sehen. Denn hier wird das „Selbst“ in den Vordergrund geschoben und den Opfern schnell die Schuld in die Schuhe geschoben: „Du hast Dich eben nicht gut genug verteidigt! Du hättest ja auch anders reagieren können! Da muss man einfach drüber stehen!“ Doch damit werden Opfer zu Tätern gemacht und die Täter sind letzten Endes fein raus.

Opfer nicht zu Tätern machen ...

Statt das Augenmerk auf „Selbstverteidigung“ (Was für ein Ausdruck!) zu legen, sollte man den Menschen und auch schon den Kindern mehr Zivilcourage ans Herz legen nach dem Motto: Dieses Verhalten wird bei uns nicht geduldet! Wenn Du so auf andere herumhackst, musst Du mit Konsequenzen rechnen! Auf Achtung ist zu achten! Respekt ist wieder neu hochzuschätzen und anzubahnen. Dies fängt damit an, dass ich sehe: der andere ist ein Mensch wie ich. Er leidet im Falle eines Falles genauso unter Zahnschmerzen wie ich. Sie hat letzten Endes genauso Probleme mit ihrer Figur wie ich selber. Ich werde nicht dadurch besser, dass ich den anderen schlechter mache.

Vorstellungen zum Miteinander bekanntmachen und bekennen! 

Das sind keine Sätze und Einstellungen, die sich von alleine einstellen. Auch mit Befehlen lässt sich das nicht verordnen. In Ordnung sind auch nicht bloß Verbote. Vielmehr sind positive Vorstellungen und Einstellungen zu fordern und zu fördern. Das fängt mit Geschichten und Erzählungen an und hört noch lange nicht damit auf, dass man schon bei jungen Menschen auf eine respektvolle Sprache achtet. Kritik ist nur erlaubt, wenn sie einem anderen aufhilft. Kritik, um einen anderen fertig zu machen, ist tabu!

Gesicht zeigen! 

Vor einigen Monaten habe ich es selbst erlebt, wie Menschen sich zusammentaten, „Vorkommnisse“ erfanden und verbreiteten. Selbst Personen aus den Reihen der Kirche reihten sich dabei ein. Das ging an den Rand des Erträglichen, weil viele hier ihr wahres Gesicht zeigten und Wahrheit verdrehten. Ein gewisser Trost aus dem Jenseits (nicht auf das Jenseits!) war für mich Psalm 101, in dem es heißt: „Wer seinen Nächsten heimlich verleumdet, den bringe ich zum Schweigen“. So (nicht nur so, aber auch so!) geht Gott mit Mobbing um und findet David zu einer getrosten Gelassenheit. Auch wenn dieses Gegensteuern gegen Gewalt und Unrecht selten geworden ist: Wer die Opfer nicht schützt, nützt dem und unterstützt die Täter!

 

Literatur

Jo Eckardt: Kinder und Trauma. Was Kinder brauchen, die einen Unfall, einen Todesfall, eine Katastrophe, Trennung, Missbrauch oder Mobbing erlebt haben, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2005.

Volker Schwarzkopf: Hau drauf!? Streiten, Schlichten und Gewalt, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2008.

 

Mustafa Jannan: Das Anti-Mobbing-Buch. Gewalt an der Schule – vorbeugen, erkennen, handeln, Weinheim: Beltz 2008.

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