Wikis, Web 2.0 und "E-Learning 2.0"

JuliaBorn | 15 Februar, 2008 00:29

Kreis von JugendlichenWikis gehören zu den interaktiven Angeboten aus dem Bereich des Web 2.0. Zur "Social Software", die es Menschen ermöglicht, an den verschiedensten Orten, zu verschiedenen Zeiten miteinander in Kontakt zu treten und zusammen zu arbeiten. Ein Blick auf Wikis, das Phänomen 2.0 und "Lernen 2.0".

 

I. Wiki = schnell
II. Web 2.0: Leserinnen und Besucher schaffen Inhalte
III. Wandel der Qualitätskriterien
IV.  "E-Learning 2.0"
V. rpi-virtuell als "2.0-Lernportal"

I. Wiki = schnell
"Ein Wiki (Hawaiisch für "schnell"), seltener auch WikiWiki und WikiWeb genannt, ist eine Sammlung von Intranet- oder Internetseiten (also eine Website), die von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch in Echtzeit online geändert werden kann. Wikis ermöglichen es, dass verschiedene Menschen gemeinschaftlich an Texten arbeiten (Autorengemeinschaft)", beschreibt das wohl berühmteste Wiki, nämlich die Online-Enzyklopädie Wikipedia (1).

Zu jeder Seite gehört eine Unterseite "Diskussion", auf der sich Autorinnen und Autoren, Leserinnen und Leser über Inhalt und Struktur austauschen können. Unter der Rubrik "Versionen" lassen sich frühere Fassungen nachlesen.

In dem Aufsatz "Web 2.0 - das 'neue' Internet macht Schule!" beschreibt Volker Rüddigkeit vom Amt für Lehrerbildung in Frankfurt ausführlich diese und weitere Features wie Podcast und Social Bookmarks und macht Vorschläge zur Nutzung in der Schule. (2)

Klick!II. Web 2.0:
Leserinnen und Besucher schaffen Inhalte

Bei Web 2.0 geht es nicht um neue Soft- oder Hardware. Der Ausdruck beschreibt eine neue Art der Internetnutzung, die sich von "Version 1" deutlich abhebt:
Benutzerinnen und Benutzer bleiben nicht mehr passiv und nehmen Inhalte zur Kenntnis, sondern sie gestalten Inhalte mit bzw. produzieren sie selbst.

Unterstützt wird das durch entsprechende, als "Social Software" bezeichnete Programme, "die Kommunikation, Interaktion und Zusammenarbeit im Internet unterstützen (z.B. E-Mail- oder Community-Plattformen).
Innerhalb des WorldWideWeb hat Social Software Angebote wie Weblogs oder die Onlineenzyklopädie Wikipedia ermöglicht. Kommentare in ein Weblog zu schreiben oder Beiträge für Wikipedia zu verfassen, ist durch Social Software ebenso einfach wie das Tippen einer E-Mail. ... Social Software ermöglicht eine aktive Nutzung des WWW. Die Nutzer können Inhalte produzieren, sich untereinander vernetzen oder über eine Plattform kommunizieren und sich selbst darstellen."

Diese Plattformen "leben davon, dass sich möglichst viele Nutzer aktiv einbringen". (3)

Klick!III. Wandel der Qualitätskriterien
Mit Web 2.0 verbunden ist ein Wandel der Qualitätswahrnehmung: Gerade die subjektive Wertung, der emotional gefärbte, persönliche Eintrag, der auch unfertig und undurchdacht sein kann, wird gesucht und wahrgenommen und bietet einen Kristallisationspunkt für andere Leserinnen und Besucher, die Einschätzungen und weitere Informationen ergänzen.

Aus dem Qualitätskriterium "Objektivität" wird der intersubjektive Diskurs, verstanden als konstruktiver und vielfältiger Austausch unter einer größeren Zahl interessierter Subjekte. "Die Weisheit der Masse", nennt Stefanie Panke es. (4)

Und das funktioniert tatsächlich. Der Online-Enzyklopädie Wikipedia wird inzwischen allgemein Anerkennung gezollt. So ließ die Illustrierte Stern (5) von einem unabhängigen Institut 50 Artikel in Wikipedia und Brockhaus prüfen und zwar unter den Kriterien Richtigkeit, Vollständigkeit, Aktualität und Verständlichkeit.
Das Ergebnis: 43 der 50 getesteten Artikel wurden besser bewertet als die zu den gleichen Themen im Brockhaus ...

Ein weiteres Beispiel sind die Diskussionen zu Blogeinträgen, die sich zu einem einzelnen Beitrag als Kristallisationspunkt entwickeln können. Der Wert des Beitrags liegt so in den Reaktionen und Reflexionsprozessen, die er hervorrufen konnte. Hier gibt es Überschneidungen zur Verwendung von Foren.

WorkshopIV.  "E-Learning 2.0"
Web 2.0 fördert technische Möglichkeiten und Nutzergewohnheiten, die die Bildung von Learning Communities unterstützen, ja, eine Voraussetzung dafür sind. Dazu gehört auch, die eigene Mitverantwortung für den Content wahrzunehmen. Wissen und Kompetenzen konstituieren im Web 2.0 Verantwortung.

Michael Kerres (6) denkt darüber nach, was Web 2.0 fürs Online-Lernen bedeutet. Er beschreibt folgende Grenzverschiebungen:

  • Wenn aus Konsumenten ein Mitgestaltende und Mitverantwortliche werden, übernehmen sie Aktivitäten und Positionen, die früher den Lehrenden vorbehalten waren.
  • Weil ich durch die neuen Medien überall arbeiten und lernen kann (und mit den Personen, die ich mir dafür aussuche), werden neue Lernräume erschlossen: virtuelle und physikalische!
  • Ich schreibe Kommentare und Beiträge, wirke mit an Projekten und erstelle Veröffentlichungen. So zeige ich meine Lernaktivitäten. Diese sichtbar werdenden Lernwege und Lernprodukte sprechen viel besser für mich als z.B. eine Prüfung.
  • Damit verwischt andererseits auch die Grenze zwischen privaten und öffentlichen Aktivitäten. Wir müssen uns darauf einstellen, dass Privates zunehmend öffentlich wird, dass wir "sichtbarer" werden, wenn wir uns im Internet bewegen.  

rpi-virtuell - Startseite 2007V. rpi-virtuell als "2.0-Lernportal"
Kerres beschreibt eine Reihe von Merkmalen eines "2.0-Lernportals", dazu gehören z.B. Offenheit des Lernportals ins Internet, die Verbindung von Lernplattform und persönlicher Arbeitsplattform, der Zugang zu Werkzeugen zur Erstellung, Bearbeitung und Kommentierung von Ressourcen sowie die Unterstützung von Kommunikation durch entsprechende Werkzeuge. (6)

Die beschriebenen Merkmale treffen weitgehend auf rpi-virtuell zu. Das ist nicht überraschend, denn die Plattform ist ja als Arbeits-, Austausch- und Mitmach-Plattform konzipiert.
Wikis und Blogs stehen bei rpi-virtuell jedem zur Nutzung zur Verfügung. In jedem virtuellen Klassenzimmer und Seminar kann mit einem Mausklick ein internes Wiki eingerichtet werden. Mit reliwiki steht ein öffentliches Wiki zur Verfügung.

Weiterlesen

  •  Siegeszug: 10 Gründe für den Erfolg von Wikis - mehr

Anmerkungen
(1) Wikipedia: Wiki - mehr [02.02.2008]
(2) Volker Rüddigkeit. Das neue Internet macht Schule. Dezember 2006. - mehr
(3) Martin Fisch, Christoph Gscheidle. Onliner 2006: Zwischen Breitband und Web 2.0 - Ausstattung und Nutzungsinnovation. Media Perspektiven 8/2006. S. 435, 436.  - mehr [01.07.2007]
(4) Stefanie Panke: Unterwegs im Web 2.0: Charakteristiken und Potenziale. 19.01.2007. S.2.  - mehr  [01.07.2007]
(5) Horst Güntheroth, Ulf Schönert. Wikipedia. Wissen für alle. Stern Ausgabe 50/2007. - mehr [27.12.2007]
(6) Michael Kerres: Potenziale von Web 2.0 nutzen. 05.08.2006. - mehr
[01.07.2007]

Februar 2008
Julia Born 

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