21. Jahrhundert: Verbreitung von Glauben und Christentum

JuliaBorn | 14 Januar, 2009 00:59

KreuzWenn Soziologen das Thema Glauben erforschen, kommen sie oft zu überraschenden Ergebnissen: Nach aktuellen Erkenntnissen breitet sich das Christentum weltweit derzeit intensiver aus als je zuvor. In traditionell katholischen Bundesländern wie Bayern, Rheinland-Pfalz und Saarland nimmt die kirchlich gebundene Religiosität zu, während es in Ostdeutschland abnehmende Tendenzen gibt.

 

Viele Menschen "religiös musikalisch"
Die Europäische Wertestudie erfasst seit 1981 einmal pro Jahrzehnt, was die Europäer über Gott und die Welt denken. In diesem Jahr wurden wieder Tausende Menschen in 46 Ländern befragt.
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in traditionell katholischen Bundesländern wie Bayern, Rheinland-Pfalz und im Saarland die Religiosität sogar zunimmt, während inh Ostdeutschland ein gegenläufiger Trend in Bezug auf kirchliches Engagement zu beobachten sei.

Gleichzeitig, so Wolfgang Jagodzinski, Verantwortlicher für die Studie in Deutschland und Soziologieprofessor an der Universität Köln, seien viele Menschen "noch religiös musikalisch":
"Viele Befragte stimmen beispielsweise der Aussage zu, dass sie ihre eigene Art hätten, mit dem Göttlichen in Verbindung zu treten ... Es gibt diese Spiritualität in allen Gruppen: bei den Nicht-Religiösen, bei den Kirchenmitgliedern und sogar bei den erklärten Atheisten."

  • Berliner Zeitung: "Viele Deutsche sind religiös musikalisch - mehr

Das Christentum als bedrohte Religion?
Auch der Erfurter Soziologe Hans Joas weist auf die religiöse Prägung vieler Länder. So breitet sich das Christentum derzeit weltweit intensiver aus als je zuvor. Allein in Afrika nehme die Zahl der Christen täglich um 23.000 zu.
Die Frage, ob das Christentum überleben werde, ist nach Joas' Überzeugung im weltweiten Maßstab "geradezu absurd".

Die verbreitete Ansicht, wer der Kirche den Rücken zukehre, wende sich anderen religiösen Formen wie Esoterik, Spiritismus oder Zen-Meditation zu, hält Joas für unbegründet. Für widerlegt hält er auch die These, dass mit der Modernisierung einer Gesellschaft auch notwendigerweise ein Abschied von der Religion einhergehe. So ein Kurzbericht der EKD (mehr).

  • Hans Joas: "Die Zukunft des Christentums"
    - Goethe-Institut: Kurzfassung - mehr
    - Blätter für deutsche und internationale Politik: Gesamtfassung - mehr
  • Interview mit Hans Joas zum Evangelischen Kirchentag 2007
    Video: mehr
  • Christof Haverkamp im Kommentar zum Blogeintrag "Theologische Aussagen sind kulturbedingt":
    "Unterschätzt wird zum Beispiel, wie sich die Globalisierung auf die Religion auswirkt. Sie führt dazu, dass Protestanten und Katholiken aus Afrika, Asien und Osteuropa in großer Zahl nach West- und Mitteleuropa strömen.
    Diese Einwanderer werden auf Dauer auch das Christentum im Westen verändern - eine Art Missionierung also in umgekehrter Richtung und eine nicht immer leichte Herausforderung für den Westen." - mehr
Am Rande: Buswerbung für bzw. gegen Glauben
Nachdem im Juni letzten Jahres evangelische Freikirchen auf englischen Bussen mit Verdammnis drohten, werben jetzt Freidenker auf 800 Bussen im britischen Königreich damit, dass "man auch ohne Religion ein erfülltes Leben führen kann".
Kirchen bzw. theologische Institutionen nehmen es sportlich: Der Slogan rege Menschen an, "über die wichtigste Frage unseres Lebens nachzudenken".
  • Nürnberger Nachrichten: "Provozierende Anzeigen" - mehr

Kommentare

Artikel kommentieren