Buch des Monats Juli 2010 - Religiöse Grundlagen der Menschenrechte

ReinhardKirste | 30 Juni, 2010 11:23

An der Achtung für der Würde des "Anderen" entscheidet sich serh deutlich, wie es die Religionen grundsätzlich und praktisch mit den Menschenrechten und der Menschenwürde handeln. Die religiöse Geschichte der Menschenrechte ist für alle Religionen nicht unbedingt ein Ruhmesblatt. Die katholische Theologin Katharina Ceming versucht nun, den "Ernstfall" Menschenrechte (auch im Blick auf Frauenrechte) durch die verschiedenen Religionen durchzudenken. Dabei ist ihr ein beeindruckendes Werk gelungen:

Katharina Ceming: 
Ernstfall Menschenrechte.
Die Würde des Menschen und die Weltreligionen
  
München: Kösel 2010
         --- Rezension hier ---

Katharina Ceming hat die Zusammenhänge von Spiritualität und Ethik schon mehrfach aufgenommen und dabei Gemeinsamkeiten der Religionen immer wieder herausgehoben.
Hier sei an das Buch erinnert:


Sorge dich nicht um morgen -
Die Bergpredigt buddhistisch gelesen.
Kösel 2009 (Rezension hier)

 

Besonders durch das von von ihr gegründete Institut: Quelle des guten Lebens nimmt diese Überlegungen kontinierlich und lebenspraktisch auf.
Die INTR°A-Bibliothek hat dieses Buch wegen seiner religiös-aktuellen Bedeutung zum Buch des Monats Juli 2010 gewählt.

 

Tiziano Terzani - in der Spannung von Frieden und Krieg, Krankheit und Sterben

ReinhardKirste | 17 Juni, 2010 20:38

Im Rahmen eines Seminars zum Thema "Jenseitsvorstellungen in den Religionen" wurden Bücher des italienischen Schriftstellers und Journalisten Tiziano Terzani (1938-2004) vorgestellt, dessen Begegnungen mit asiatischer Spiritualität und Religiosität auch sein persönliches Leben bis zu seinem bewussten Sterben beeinflusst haben. Drei Bücher seien besonders hervorgehoben:

Tiziano Terzani:

  • Das Ende ist mein Anfanng. Ein Vater, ein Sohn und die große Reise des Lebens (2008)
  • Noch eine Runde auf dem Karussell. Vom Leben und vom Sterben (2004)
  • Briefe gegen den Krieg 2003
In der Vielfalt von Terzanis Veröffentlichungen kommt ein starkes Engagegent für Gerechtigkeit und Frieden ebenso zum Ausdruck wie eine religiös-wachsende Weisheit und innere Gelassenheit durch die Begegnung mit asiatischen Religionen.  

Die Jenseitsmythen der Menschheit

ReinhardKirste | 15 Juni, 2010 17:52

Unter diesem Titel haben zwei erfahrene Pädagogen udn Theologen Jenseitsmythen aus verschiedenen religiösen Traditionen zusammengestellt, große Religionen, traditionale Glaubensweisen - bereits vergangene, aber auch heute noch sehr lebendige, und zwar:

Aus dem Mittelmeerraum und dem Mittleren Osten in der Antike, Nordgermanen, Judentum, Christentum, Zoroastrismus, Islam, Indien, Tibet, Ostasien, Indonesien, Australien, Neuseeland und Ozeanien, Schwarzarfika, Sibirien, die beiden Amerikas.

Im Rahmen eines Seminars an der TU Dortmund über Jenseitsvorstellungen in den Religionen wurde das Buch ausführlich besprochen:

Dietrich Steinwede / Dietmar Först:
Die Jenseitsmythen der Menschheit.

Düsseldorf: Patmos 2005
--- Rezension und Beispiele hier ---

Eric-Emmanuel Schmitt - Lebensfragen im Spiegel der Weltreligionen

ReinhardKirste | 15 Juni, 2010 09:34

Der französische Erfolgsautor Eric-Emmanuel Schmitt hat mit vier Büchern eine religiöse Tetralogie so entwickelt, dass interreligiöse Begegnung existentiell erlebt und für die Protagonisten Hoffnung entsteht. In Deutsch erschienen:

  • Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran (2003) - Islam
  • Oskar und die Dame in Rosa (2003) - Christentum
  • Das Kind von Noah (2004) - Judentum
  • Milarepa (2006) - Buddhismus
Im Rahmen eines Seminars zum Thema "Jenseitsvorstellungen in den Religionen" wurde auch die Erzählung  gab es auch eine

 

Dies ist eine beeindruckende Auseinandersetzung mit dem Sterben, dem der zehnjähriger Junge Oskar durch neu gewonnenes Vertrauen in Gott bewusst entgegen gehen kann. Die Christin Oma Rosa wird ihm dabei zur hilfreichen Begleiterin.

   

Pädagogische Materialien, Schulbücher und Koran-Übertragungen für Kinder und Erwachsene

ReinhardKirste | 12 Juni, 2010 11:48

Zwar gibt es noch immer Hürden für die Einführung eines Islamischen Religionsunterrichts an deutschen Schulen, aber die Entwicklung von Unterrichtsmaterialien aus islamischer Sicht kommt gut voran.

Das interdisziplänare Zentrum für Islamische Religionslehre der Universität Erlangen- Nürnberg unter Leitung von Prof. Dr. Harry Harun Behr gibt als konkrete Hilfestellung die als PDF (Demo-Version) erhältliche Zeitschrift für die Religionslehre des Islam (ZRLI). Bisher sind 6 Nummern erschienen. ZRLI kann als PDF in der Vollversion gratis abonniert werden. 

ZRLI Nr. 06 (Dezember 2009, Vollversion):Schwerpunkte - islamische Religionspädagogik und die Frage nach dem Bösen im Unterricht

Nachdem das für das 5./6. Schuljahr ausgewiesene Buch "Saphir 5/6" (Kösel-Verlag) schon sehr wohlwollende Aufnahme fand und auch schon staatlich mehrfach genehmigt wurde (vgl. INTR°A-Rezension), hat es nun auch noch den Ehrenpreis für das beste europäische Schulbuch 2009 gewonnen.

Auffälligerweise fehlt dem Grundschulbuch "Die Schöne Quelle" für die 3./4. Klasse noch immer die Zulassung. Auch gibt es von mehreren islamischen Religionspädagoginnen Kritik wegen falscher Darstellungen.

Das schwerpunktmäßig für Niedersachsen entwickelte Schulbuch für die 1./2. Klasse, das im Kontext der dortigen Entwicklung islamischen Religionsunterrichts fachkundig erarbeitet wurde - Mein Islambuch, Grundschule 1/2 (Oldenbourg-Verlag München) - wird inzwischen in der Schulpraxis konkret überprüft.

Der Verlag hat auch hat einige Seiten beispielhaft vorgestellt. Im Rahmen eines Seminars an der TU Dortmund gibt es dazu eine ausführliche Besprechung (hier). Dieses Grundschulbuch mit Lehrermaterial (144 Seiten Text mit dazu gehörenden Arbeitsblättern in Loseblattform) ist bereits für Nordrhein-Westfalen, Bayern, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen zugelassen.
Es verwundert sicher nicht, wenn es auch Kritik gibt, die Wolf Ahmed Aries konkretisiert.

In Berlin ist dagegen das von der Senatsverwaltung in Auftrag gegebene Handbuch "Islam und Schule" trotz langer, aber eben auch kontrovers geführter Vorbereitung für die Praxis offensichtlich nicht sonderlich empfehlenswert, wie der Tagesspiegel berichtet. 

Ausgesprochen empfehlenswert ist das mit Erfahrung und praktischen Beispielen gesättigte Heft mit "Modellen für religiöse Feiern in der Schule", das der Deutsche Katechetenverein (DKV) herausgebrachte und für den die Religionslehrerin und Fachreferentin Maria Holzapfel-Knoll und der Religionspädagoge Prof. Dr. Stephan Leimgruber verantwortlich zeichnen: Gebete von Juden, Christen und Muslimen.

Daneben erfreuen sich weitere neuere  Unterrichtsmaterialien einzelner Autoren und Autorengruppen einiger Beliebtheit.

Dazu gehört weiterhin aus der Reihe der "Calwer Materialien": Haus des Islam. Einblick und Einsichten (ISBN 978-3-7668-4060-8, mit Rezension),  das gerade für den Unterricht viele didaktisch gut aufbereitete Anregungen und Geschichten für die Sekundarstufe II bietet und bis in die Koran-Zitate durch ein kompetentes Autorenteam (Religionspädagogen und Islamwissenschaftler) intensiv bearbeitet wurde.

Überdies wären etwa zu nennen: "Lehr- und Arbeitsmaterialien für den Islamunterricht 5/6".

Hinzu kommen reich illustrierte Materialbände, wie der zum Islam, der in der Reihe "Die Welt der Religionen" erschien (vgl. Rezension).

Auch eine Einführung in den Koran, wie sie von
Lamya Kaddor und Rabeya Müller vorgelegt wurde:

eröffnet Möglichkeiten für ein besseres und sachgemäßeres Verständnis des Islam in seiner Pluralität. 

Was für den hier genannten Koran eher für SchülerInnen in der Sekundarstufe I und II gilt, haben nun für Grundschulkinder herausgebracht:

Neu: Hamideh Mohagheghi / Dietrich Steinwede
Was der Koran uns sagt. Für Kinder in einfacher Sprache.

München: Bayerischer Schulbuchverlag (Patmos / Oldenbourg) 2010
--- Rezension hier ---

 

Islamische Reformkräfte - das Beispiel Indonesien

ReinhardKirste | 09 Juni, 2010 18:57

Angesichts der negativen Schlagzeilen, die "der" Islam immer wieder macht, lohnt der differenzierte Blick in den variantenreichtum des Islam, wie er sich mit reformerischem Gesicht in Indonesien, dem bevölkerungsreichsten islamischen Land zeigt.

Es ist ausgesprochen wichtig, solche Reformentwicklungen auch in Europa wahrzunehmen und gleichzeitig solche Möglichkeiten als Gesprächsbasis zu benutzen:

Simone Gröschl:
Islamische Reformdiskurse in Indonesien.
Vom Neo-Modernismus
                          zum "Netzwerk Liberaler Islam".
                     Saarbrücken: VDM Dr. Müller (E-Book) 2010
         --- Rezension hier ---
      
In diesem sorgsam recherchierten Buch wird deutlich, dass interreligiöse Begegnungen für eine harmnische Gesellschaft ein wesentlicher Faktor bleiben.